{"id":1166,"date":"2013-09-24T14:12:38","date_gmt":"2013-09-24T14:12:38","guid":{"rendered":"http:\/\/127.0.0.1:4001\/wordpress\/gegen-den-trend-des-natonalen-ruckzugs-vasco-pedrina-2013\/"},"modified":"2022-03-11T14:20:37","modified_gmt":"2022-03-11T14:20:37","slug":"gegen-den-trend-des-natonalen-ruckzugs-vasco-pedrina-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/global-labour.info\/de\/2013\/09\/24\/gegen-den-trend-des-natonalen-ruckzugs-vasco-pedrina-2013\/","title":{"rendered":"Gegen den Trend des &#8220;natonalen R\u00fcckzugs&#8221; (Vasco Pedrina, 2013)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gewerkschaftliche Herausforderungen im Zeitalter der Globalisierung*<\/strong><br \/>\n<span style=\"font-size: 16px;\">Der politische Durchbruch des Neoliberalismus in den 1980er Jahren sowie die Integration des ehemaligen sowjetischen Blocks und Chinas in das kapitalistische System haben Prozesse der \u00bbLiberalisierung\u00ab des Handel, der Produktion und Dienstleistungen, Privatisierungen \u00f6ffentlicher G\u00fcter und umfassende Deregulierungsma\u00dfnahmen auf den Arbeitsm\u00e4rkten und in den Sozialsystemen ausgel\u00f6st. Dieser globale Prozess hat zu einer enormen Entwicklung der Finanzm\u00e4rkte gef\u00fchrt und die politischen Gewichte weltweit verschoben. Die Macht des Finanzkapitals gegen\u00fcber der realen Wirtschaft und den Nationalstaaten hat stetig zugenommen.<\/span><\/p>\n<p><strong>Machtverschiebungen<\/strong><br \/>\n\u00bbDie letzte Kolonisierung der Welt ist\u00ab \u2013 wie Andreas Rinke schreibt \u2013 \u00bbvoll im Gange, in der sich Staaten systematisch bisher unverteilte R\u00e4ume aneignen oder sie dominieren wollen\u2026 Besitzanspr\u00fcche und kollektive Verantwortungslosigkeit prallen aneinander\u00ab, am st\u00e4rksten in den rechtlosen R\u00e4umen. Neben den daraus entstehenden gro\u00dfen Bedrohungen f\u00fcr den Weltfrieden ist vor allem die Digitalisierung der Welt hervorzuheben. Sie f\u00fchrt \u00bbzu einer neuen Art von Konkurrenzkampf\u2026 In der neuen digitalen Welt entstehen grenz\u00fcberschreitend arbeitende Firmen mit enormen Datens\u00e4tzen aus den verschiedensten Lebensbereichen ihrer Kunden, die auch zu einer neuen Machtbalance zwischen Staaten und Firmen f\u00fchren k\u00f6nnen\u00ab. Die Nationalstaaten ziehen den K\u00fcrzeren gegen\u00fcber transnationalen Konzernen (TNKs) und Finanzinstituten (Banken und Hedge-Fonds). Durch ihre Verb\u00e4nde, Lobbies usw. \u00fcben sie ma\u00dfgeblichen Einfluss auf die Politik der Nationalstaaten und der internationalen Organisationen (WTO, IWF etc.) aus.<\/p>\n<p>Dan Gallin, Leiter des Global Labour Institute, stellt fest: \u00bbDas Neue an der jetzigen Situation ist der Vorsprung des Kapitals gegen\u00fcber allen anderen Akteuren der Gesellschaft in der Aus\u00fcbung der Macht auf internationaler Ebene. In einer global integrierten Weltwirtschaft, in der das Kapital die technischen und politischen M\u00f6glichkeiten hat, sich grenzenlos frei zu bewegen, \u00f6ffnen sich auch neue M\u00f6glichkeiten der Steuerflucht und der Kapitalflucht, d.h. der Erpressung des Nationalstaats durch TNKs. Damit verliert der Nationalstaat einen wichtigen Teil des Einkommens, das er braucht, um den Sozialstaat, d.h. den sozialen Kompromiss, durch Umverteilung des Reichtums zu finanzieren. Die Privatisierungswelle, die die ganze Welt umfasst, bedeutet eine zus\u00e4tzliche Schw\u00e4chung des Nationalstaats, weil er dadurch weitere M\u00f6glichkeiten der Beeinflussung der Wirtschaftspolitik und &#8230; der Sozialpolitik verliert\u00ab. In multilateralen, regionalen und bilateralen Handelsabkommen ist die fortschreitende Entrechtung der Nationalstaaten festgeschrieben.<\/p>\n<p><strong>Krise der Demokratie<\/strong><br \/>\nDie Auswirkungen der meisten dieser Entwicklungen auf die Arbeitswelt sind besorgniserregend bis dramatisch. Die Entstehung eines globalen Arbeitsmarktes bedeutet, dass nicht nur Staaten der Erpressung ausgesetzt sind. \u00bbDen Arbeitenden aller L\u00e4nder wird ein Konkurrenzkampf untereinander aufgezwungen. Damit wird eine Abw\u00e4rtsspirale in Bewegung gesetzt, die in der ganzen Welt auf L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen dr\u00fcckt und keine untere Grenze kennt\u00ab (ebd.). Die Prekarisierung der Arbeitsverh\u00e4ltnisse und die Ausdehnung der informellen Wirtschaft, die erheblicher Teil der Realit\u00e4t vor allem in den unterentwickelten L\u00e4ndern ist, werden immer mehr zu einer Komponente der Wirtschaft auch in den am meisten entwickelten L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Die Schw\u00e4chung des Nationalstaates f\u00fchrt im Konkurrenzkampf zwischen Standorten zu Sparprogrammen, Lohnk\u00fcrzungen, Massenentlassungen, Infragestellung der Tarif- und Sozialversicherungssysteme sowie zu massiven Angriffen auf Arbeitnehmerrechte. \u00bbDas Unverm\u00f6gen des Staates, das Kapital innerhalb seiner Territorialgrenzen zu kontrollieren, schw\u00e4cht gleichzeitig auch alle Institutionen, welche innerhalb der staatlichen Territorialgrenzen handeln und auf den Nationalstaat f\u00fcr die Umsetzung ihrer Ziele angewiesen sind: Parlamente, politische Parteien, nationale Gewerkschaftsorganisationen, d.h. eben jene Institutionen, durch welche demokratische Kontrolle \u00fcber die Wirtschaft vor dem Einsetzen des Globalisierungs-prozesses erfolgte. Der verminderte Spielraum aller dieser nationalstaatlichen Institutionen f\u00fchrt bei den Staatsb\u00fcrgern, und auch bei Mitgliedern von Gewerkschaften und Parteien, zu einem Gef\u00fchl der Machtlosigkeit, zur Politikverdrossenheit und zum Zynismus gegen\u00fcber Institutionen und Organisationen, welche die Erwartungen die an sie gerichtet sind nicht mehr erf\u00fcllen k\u00f6nnen. Die Entmachtung des Staates als Verteidiger des Gemeinwohls f\u00fchrt somit zu einer Krise der Demokratie\u00ab (ebd.). Die Einschr\u00e4nkung oder Aufhebung von Gewerkschaftsrechten ist nicht mehr nur Kennzeichen gewisser \u00bbemerging countries\u00ab, um sich in der Standort-konkurrenz zu behaupten. Das Gef\u00fchl der Machtlosigkeit mit allen kumulierten Frustrationen schafft gro\u00dfe R\u00e4ume f\u00fcr xenophobische und rechtspopulistische Str\u00f6mungen.<\/p>\n<p>Das Zusammenspiel dieser Faktoren hat in vielen Metropolen des Nordens eine zum Teil massive Schw\u00e4chung der Gewerkschaften bewirkt. Die Struktur\u00e4nderungen in den Branchen und Unternehmungen, verbunden mit der einseitigen Flexibilisierung der Arbeitsformen, untergraben ihre Organisationsmacht. So kann es nicht erstaunen, wenn die Einkommens- und Verm\u00f6gensverteilung weltweit immer ungleicher wird. \u00bbDer Welttrend hat zu einer \u00c4nderung der nationalen Einkommensverteilung gef\u00fchrt, der Anteil der Arbeit ist gesunken wohingegen der Kapitalanteil in den meisten L\u00e4ndern gestiegen ist\u2026 Die Senkung des Anteils der Arbeit erkl\u00e4rt sich mit dem technologischen Fortschritt, mit der Globalisierung des Handels, mit der Ausweitung der Finanzm\u00e4rkte und mit der Senkung des gewerkschaftlichen Organisierungs-grades, alles Faktoren, die die Verhandlungsposition der Arbeitnehmenden geschw\u00e4cht haben\u00ab.<\/p>\n<p><strong>Doppelte Herausforderung<\/strong><br \/>\nDas zentrale Problem besteht darin, dass das Kapital zunehmend international wird, w\u00e4hrend die Gewerkschaften national bleiben und ihre internationalen Verb\u00e4nde aus Mitglieds-organisationen bestehen, die in ihrem Denken und Handeln weiterhin national orientiert bleiben. Auch wenn die Globalisierung selbst unaufhaltsam ist, ist ihre Ausgestaltung nicht \u00bbin Stein gemei\u00dfelt\u00ab. F\u00fcr die Gewerkschaften geht es nicht darum, sich der Globalisierung zu widersetzen, sondern darum, sie sich anzueignen. Eine andere Arbeitswelt ist m\u00f6glich. Auf dem Weg dahin stellt sich der Gewerkschaftsbewegung eine doppelte Herausforderung:<\/p>\n<p>&#8211; Wir brauchen eine alternative Vision und ein alternatives Programm, um den abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten weltweit \u00bbLicht in den K\u00f6pfen und Feuer in den Herzen\u00ab (H. Greulich, Vater der Schweizerischen Gewerkschaftsbewegung) zu vermitteln \u2013 gr\u00fcndend auf den Werten von Freiheit und Demokratie, der Gleichheit, der Selbstbestimmung und Solidarit\u00e4t, der Gerechtigkeit, der Nachhaltigkeit und des Friedens.<\/p>\n<p>&#8211; Wir m\u00fcssen die Machtfrage l\u00f6sen. \u00bbUnsere gegenw\u00e4rtige Ohnmacht hat zwei Gr\u00fcnde: erstens, weil die Mehrzahl der Arbeitnehmenden der Welt unorganisiert sind; zweitens, weil die internationale Gewerkschaftsbewegung in ihrer jetzigen Form nicht im Stande ist, einen globalen Machtkampf erfolgreich auszutragen. Die L\u00f6sung des ersten Problems h\u00e4ngt von der L\u00f6sung des zweiten ab\u00ab (Gallin).<br \/>\nDie erste Herausforderung ist au\u00dferordentlich wichtig. Die Krise der herrschenden neoliberalen Ideologie und des mit ihr verbundenen gesellschaftlichen Projekts ist offensichtlich. Alternative Vorstellungen einer menschenfreundlichen Welt und einer nachhaltigen Entwicklung, die sowohl die sozialen wie die \u00f6kologischen Dimensionen geb\u00fchrend ber\u00fccksichtigen, sind vorhanden. Besonders wichtig sind dabei Forderungen, die eine Trendumkehr im Visier haben. Programmatisch geht es konkret u.a. um<\/p>\n<p>&#8211; expansive Lohnpolitik, welche die Erosion des Anteils der Arbeit zugunsten des<br \/>\nKapitals in der Einkommensverteilung stoppt<\/p>\n<p>&#8211; alternative Investitionsprogramme, die den \u00f6kologischen Umbau vorantreiben;<\/p>\n<p>&#8211; Re-Regulierung der Finanzm\u00e4rkte in Kombination mit einer koordinierten ;<br \/>\ninternationalen Steuerpolitik, die eine R\u00fcckverteilung erm\u00f6glicht;<\/p>\n<p>&#8211; weltweite Respektierung der Menschenrechte, die Durchsetzung der Arbeitnehmer- rechte und die St\u00e4rkung der Tarif- und Sozialversicherungssysteme;<\/p>\n<p>&#8211; weitm\u00f6glichste Formalisierung der Arbeit und wirksame Ma\u00dfnahmen gegen die Abw\u00e4rtsspirale bei L\u00f6hnen und Arbeitsbedingungen nach dem Prinzip \u00bbGleicher Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit am gleichen Ort\u00ab.<br \/>\nDie Schw\u00e4che, die es zu \u00fcberwinden gilt, liegt vor allem in der ungen\u00fcgenden F\u00e4higkeit, Forderungen so zu formulieren und sich auf konkrete Massnahmen zu einigen, mit denen die Herzen der Leute auch transnational erobert werden k\u00f6nnen. Ein aktuelles Beispiel aus der Schweiz zur Illustration: Mit den Volksinitiativen \u00bb1 zu 12\u00ab gegen die Manager-Boni, zum gesetzlichen Mindestlohn von CHF 4000,-, h\u00f6here Besteuerung der Reichen und f\u00fcr eine Erh\u00f6hung der Altersrenten haben Gewerkschaften und Linke einleuchtende und popul\u00e4re Anliegen aufs Tapet gebracht, die eine \u00fcberzeugende Alternative aufzeigen, f\u00fcr die es sich zu k\u00e4mpfen lohnt. Ein zweites Beispiel aus Europa: Die erste gewerkschaftliche Europ\u00e4ische B\u00fcrgerinitiative gegen die Privatisierung des Wassers ist mit bisher 1.5 Millionen Unterschriften zustande gekommen. Eine weitere zum Thema \u00bbsoziales Europa\u00ab, die u.a. das Prinzip \u00bbgleicher Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit am gleichen Ort\u00ab in den EU-Vertr\u00e4gen verankern m\u00f6chte, k\u00f6nnte eine europ\u00e4ische Mobilisierung zu einem gemeinsamen Ziel ausl\u00f6sen. Das Gleiche gilt f\u00fcr den neuen Vorschlag, eine EBI auf der Basis des \u00bbMarshall-Plan f\u00fcr Europa\u00ab vom DGB zu lancieren.<\/p>\n<p><strong>Aufgaben auf der internationalen Ebene<\/strong><br \/>\nDie zweite Herausforderung ist die Schwierigste. Wenn man die beschriebenen Merkmale der Globalisierung mit den oben erw\u00e4hnten organisatorischen Kernaufgaben in Verbindung setzt, kann man folgende Herausforderungen f\u00fcr die internationale gewerkschaftliche Arbeit der n\u00e4chsten Jahre als zentral heraussch\u00e4len:<br \/>\n<em>Erstens<\/em>: In den Teilen der Welt, in denen die kapitalistische Krise w\u00fctet, stellt man einen Trend des \u00bbnationalen R\u00fcckzugs\u00ab auch der Gewerkschaften fest. Einerseits sind alle absorbiert von ihren nationalen Abwehrk\u00e4mpfen und dies mit geschw\u00e4chter organisatorischer Kraft. Auf der anderen Seite untergraben die stark ungleichen Entwicklungen zwischen den so genannten \u00dcberschussl\u00e4ndern und den Defizitl\u00e4ndern die Basis grenz\u00fcberschreitender Solidarit\u00e4t. Hinzu kommen Unterschiede bez\u00fcglich der Forderungen, der Gewerkschaftskulturen und -traditionen sowie der Themen und Rhythmen der Mobilisierung. N\u00f6tig sind gewerkschaftliche Vernetzungen und gemeinsame Mobilisierungsstrategien. Dass dies auf kontinentaler Ebene m\u00f6glich ist, zeigt das Beispiel des Aktionstages des Europ\u00e4ischen Gewerkschaftsbundes vom 14.11.2012. Zum ersten Mal ist es zumindest in S\u00fcdeuropa gelungen, koordinierte Generalstreiks zu organisieren; nicht ohne Wirkung auf die EU-Beh\u00f6rde! Die Europ\u00e4ischen Betriebsr\u00e4te k\u00f6nnten mit der Zeit auch ein Hebel werden.<br \/>\n<em>Zweitens<\/em>: Die dramatische Schw\u00e4chung der Nationalstaaten gegen\u00fcber dem internationalisierten Kapital erfordert von den Gewerkschaften \u2013 wie von allen progressiven politischen Kr\u00e4ften \u2013 den Einsatz f\u00fcr eine Demokratisierung der supranationalen Institutionen sowie die EU, weil dies die Voraussetzung ist f\u00fcr ihre Funktion als Ersatz der Nationalstaaten in der Rolle der H\u00fcter des Gemeinwohls und des \u00bbSozialstaates\u00ab.<br \/>\nAllerdings ist es wichtig zu betonen, dass auch innerhalb der nationalen Grenzen weiterhin Spielr\u00e4ume vorhanden sind. Verschiedene Studien, u.a. der OECD, zeigen z.B., dass die Arbeitsmarktinstitutionen die Lohnschere verhindern k\u00f6nnen ungeachtet der Wirkungen des technologischen Wandels und der Globalisierung. Mindestl\u00f6hne verhindern ein weiteres Absinken und je h\u00f6her die gewerkschaftliche Organisation ist, desto geringer ist die Ungleichheit der Einkommensverteilung \u2013 Globalisierung hin oder her.<\/p>\n<p><em><em>Drittens: <\/em><\/em>Auf der internationalen Ebene gilt es sowohl die gewerkschaftliche Vernetzung und Verankerung in den TNKs dank internationaler Rahmenabkommen und auch unseres Einflusses auf die internationalen Organisationen zu verst\u00e4rken. Die Verbindung zwischen nationalem und internationalem gewerkschaftlichen Aufbau muss dabei systematisch gef\u00f6rdert werden. Die internationale Gewerkschaftsarbeit in den TNKs, aber auch unser gewerkschaftliches Engagement bei gro\u00dfen Infrastrukturprojekten muss vermehrt in den Dienst der Organisierung und St\u00e4rkung der nationalen Gewerkschaften gestellt werden. Meistens stehen diesbez\u00fcglich gewerkschaftliche Kampagnen im Vordergrund, die die Einhaltung der ILO\/IAO-Kernnormen im Fokus haben.<br \/>\nWir brauchen Global Unions, die den politischen Druck intensivieren. Interessanterweise ist eine gewisse positive Bewegung festzustellen, sogar bei \u00bbneoliberalen Fabriken\u00ab wie dem IWF und der Weltbank. Als Beispiele seien erw\u00e4hnt, dass der IWF in seiner Politik neuerdings auch die schlechte Einkommensverteilung im Visier hat und dass die Weltbank ein \u00bbWorld Development Report 2013\u00ab ver\u00f6ffentlicht hat mit innovativen Ans\u00e4tzen f\u00fcr eine aktive Besch\u00e4ftigungspolitik. Zentral muss f\u00fcr uns der Kampf f\u00fcr die Aufwertung der Rolle der ILO\/IAO in allen anderen UNO-Institutionen sein. Eine gute Gelegenheit, um unsere Postulate voranzutreiben, bietet der bevorstehende Verhandlungsmarathon f\u00fcr die Agenda Post-2015, die die \u00bbMilleniumsziele gegen die Armut\u00ab ersetzen soll. Decent Work, Social Protection Floors (sozialer Basisschutz) und Besch\u00e4ftigungspolitik sollen zum priorit\u00e4ren Ziel der neuen Agenda Post-2015 erkl\u00e4rt werden. Skandale wie die bislang schlimmste Katastrophe beim Einsturz einer Kleiderfabrik (mit \u00fcber 1100 Opfern) in Bangladesh im April 2013, welche die Welt\u00f6ffentlichkeit emp\u00f6ren, m\u00fcssen systematisch thematisiert werden, um unsere Anliegen voranzutreiben.<\/p>\n<p><em>Viertens:<\/em> Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in den \u00bbemerging countries\u00ab, vor allem der BRICS-Staaten, bietet eine gro\u00dfe Chance, den weltweit niedrigen Organisierungsgrad von 7% stark zu erh\u00f6hen. Dies ist eine \u00dcberlebensfrage f\u00fcr die internationale Gewerkschaftsbewegung, nachdem in Europa, wo die Gewerkschaften traditionsgem\u00e4ss \u00fcber die gr\u00f6\u00dften Bataillone verf\u00fcgen, in mehreren wichtigen L\u00e4ndern massiv an Mitgliedern und an Kraft verloren haben und nicht mehr gleicherma\u00dfen Hilfeleistungen f\u00fcr den Rest der Welt liefern k\u00f6nnen. Gewerkschaftliche Organisierungskampagnen, wo Zehntausende von neuen Mitglieder geworben werden, wie die Sportkampagnen der BHI im Hinblick auf die Fussball WM 2010 in S\u00fcdafrika und die Fussball WM 2014 in Brasil, weisen den Weg.<\/p>\n<p><em>F\u00fcnftens:<\/em> Insbesondere in den Branchen, in denen prek\u00e4re und informelle Arbeit weit verbreitet sind, gilt es neue Formen der gewerkschaftlichen Organisierung zu entwickeln. Dabei geht es insbesondere um die Organisierung der schw\u00e4chsten Glieder der Gesellschaft, d.h. der Frauen und der Migranten, aber auch der Jugend. Das globale Projekt \u00bbBWI-Connect Migration\u00ab ist ein guter Ansatz dazu, wie auch die Erfahrungen der Gewerkschaft der informellen Arbeiterinnen in Indien.<\/p>\n<p><em>Sechstens:<\/em> Die modernen Mittel der digitalen Welt sind voller Gefahren f\u00fcr das demokratische Zusammenleben. Aber wie der \u00bbArabische Fr\u00fchling\u00ab vor zwei Jahren gezeigt hat, sind sie f\u00fcr die autorit\u00e4ren Staaten unkontrollierbar geworden. Dies bietet somit auch Chancen f\u00fcr die Gewerkschaftsbewegung. Wir m\u00fcssen dies systematisch f\u00fcr die internationale gewerkschaftliche Vernetzung und f\u00fcr alle transnationalen Kampagnen, Mobilisierungen und K\u00e4mpfe nutzen.<\/p>\n<p><em>Schlie\u00dflich:<\/em> Die Gewinnung und Mobilisierung einer neuen Generation von jungen Gewerkschaftskadern und Aktivisten, die fest an die Vision einer menschengerechten und nachhaltigen Weltordnung glauben, die mit einem starken internationalistischen Bewusstsein ger\u00fcstet sind und gegen den Trend des \u00bbnationalen R\u00fcckzugs\u00ab der Gewerkschaften und f\u00fcr ihre transnationale Vernetzung mit aller Kraft k\u00e4mpfen \u2013 im Grunde ist das die Hauptaufgabe der n\u00e4chsten Zeit.<\/p>\n<hr style=\"background: black; height: 1px;\" \/>\n<p>Andreas Rinke,\u00a0<em>Die letzte Kolonisierung der Welt<\/em>, &#8220;Neue Z\u00fcrcher Zeitung&#8221;, 21 May 2013.<br \/>\nDan Gallin, <em>Globalisierung und Gewerkschaften,<\/em>\u00a0Referat an GV Gewerkschaftsbund Kanton Bern, 2012 (<a href=\"http:\/\/www.global-labour.org\">http:\/\/www.global-labour.org<\/a>).<br \/>\nILO, &#8220;World of Work Report 2013&#8221;, (<a href=\"http:\/\/www.ilo.org\">http:\/\/www.ilo.org<\/a>).<br \/>\nOECD, <em>Divided we stand: Why Inequality Keeps Rising<\/em>, Paris, 2011 und SGB-Verteilungsbericht 2012, Dossier Nr. 86, 4.2012 (<a href=\"http:\/\/www.sgb.ch\">http:\/\/www.sgb.ch<\/a>).<br \/>\nFrank Hoffer, <em>The struggle for international and labour standards: When so little is already too much<\/em>, ACTRAV ILO, 2013.<\/p>\n<p>* <em>Dieser Beitrag ist in der Zeitschrift Sozialismus, Heft 9\/2013 (<a href=\"http:\/\/www.sozialismus.de\">http:\/\/www.sozialismus.de<\/a>) erschienen<\/em><\/p>\n<p><em>Vasco Pedrina, Unia\/SGB (CH) ist Vize-Pr\u00e4sident der Bau und Holzarbeiter Internationale. Dieser Artikel ist die \u00fcberarbeitete und gek\u00fcrzte Fassung eines Beitrages auf der Global Youth Summer School BWI in Maierh\u00f6fen (Allg\u00e4u) im Juni 2013.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gewerkschaftliche Herausforderungen im Zeitalter der Globalisierung* Der politische Durchbruch des Neoliberalismus in den 1980er Jahren sowie die Integration des ehemaligen sowjetischen Blocks und Chinas in das kapitalistische System haben Prozesse der \u00bbLiberalisierung\u00ab des Handel, der Produktion und Dienstleistungen, Privatisierungen \u00f6ffentlicher G\u00fcter und umfassende Deregulierungsma\u00dfnahmen auf den Arbeitsm\u00e4rkten und in den Sozialsystemen ausgel\u00f6st. Dieser globale Prozess [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1166"}],"collection":[{"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1166"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1166\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1783,"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1166\/revisions\/1783"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1166"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1166"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1166"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}