{"id":1168,"date":"2014-02-21T19:11:15","date_gmt":"2014-02-21T19:11:15","guid":{"rendered":"http:\/\/127.0.0.1:4001\/wordpress\/zur-volksabstimmung-in-der-schweiz-vom-9-februar-2014-paul-rechsteiner-andreas-rieger-renzo-ambrosetti\/"},"modified":"2022-03-11T14:20:37","modified_gmt":"2022-03-11T14:20:37","slug":"zur-volksabstimmung-in-der-schweiz-vom-9-februar-2014-paul-rechsteiner-andreas-rieger-renzo-ambrosetti","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/global-labour.info\/de\/2014\/02\/21\/zur-volksabstimmung-in-der-schweiz-vom-9-februar-2014-paul-rechsteiner-andreas-rieger-renzo-ambrosetti\/","title":{"rendered":"Zur Volksabstimmung in der Schweiz vom 9. Februar 2014 (Paul Rechsteiner, Andreas Rieger; Renzo Ambrosetti, 2014)"},"content":{"rendered":"<p><!--more--><br \/>\n<em><strong>Zur Volksabstimmung in der Schweiz vom 9. Februar 2014<\/strong><\/em><br \/>\nPaul Rechsteiner, Pr\u00e4sident des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds SGB<br \/>\nAndreas Rieger, Vertreter des SGB im Europ\u00e4ischen Gewerkschaftsbund EGB<br \/>\nRenzo Ambrosetti, Co-Pr\u00e4sident Unia und Vizepr\u00e4sident  Industriall Europa<br \/>\n<strong>Ein grosser R\u00fcckschlag<\/strong><br \/>\nAm 9. Februar hat eine knappe Mehrheit der Stimmb\u00fcrgerinnen und Stimmb\u00fcrger in der Schweiz einer Initiative der Schweizerischen Volkspartei SVP zugestimmt, welche die Wiedereinf\u00fchrung der Kontingentierung der Einwanderung aus dem EU-Raum verlangt. Dieser Entscheid bedeutet einen grossen R\u00fcckschlag f\u00fcr die Einwanderer in der Schweiz, f\u00fcr die Gewerkschaften und f\u00fcr alle fortschrittlichen Kr\u00e4fte und f\u00fchrt die Schweiz unweigerlich in eine Sackgasse.<br \/>\n<strong>1. Zur Ausgangslage<\/strong><br \/>\nDie Schweiz ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts ein Einwanderungsland. Bereits vor dem ersten Weltkrieg hatten gegen 20% der Menschen in der Schweiz P\u00e4sse von anderen Nationen. In den Jahrzehnten der grossen Weltkriege ging die Einwanderung zur\u00fcck, um nach 1945 steil wieder anzusteigen, auf \u00fcber 20% der Wohnbev\u00f6lkerung. In dieser Zeit waren Zugang und Status der Einwanderer durch ein System von Kontingenten und Spezialstatus geregelt, welche die MigrantInnen v\u00f6llig rechtlos machten. Auf Druck einzelner Gewerkschaften, welche zum Sprachrohr der MigrantInnen wurden und auf Druck  europ\u00e4ischer Staaten, insbesondere Italien und Spanien, wurde vor allem das Statut der Saisonniers unhaltbar: Diese verf\u00fcgten nur \u00fcber eine genau befristete Aufenthalts-Bewilligung, welche an einen Betrieb gebunden war. Die Familie durfte unter keinen Umst\u00e4nden nachkommen. Meist mussten die Saisonniers in prek\u00e4ren Unterk\u00fcnften wohnen, welche vom Arbeitgeber zur Verf\u00fcgung gestellt wurde.<br \/>\nIm Jahre 1992 stand der Anschluss der Schweiz an den EWR  zur Diskussion (zusammen mit Norwegen, Island und Lichtenstein). Dieser sah die Einf\u00fchrung der Personenfreiz\u00fcgigkeit im Sinne der damaligen EG vor, d.h. die Abschaffung der Kontingente und diskriminierenden Statute. Die Schweizer Gewerkschaften haben dies und den Beitritt zum EWR unterst\u00fctzt. Mit 50,3% votierten die Schweizer Stimmb\u00fcrger 1992 jedoch gegen den Beitritt zum EWR. Ein Hauptgrund f\u00fcr das Nein war due Ablehnung jeder Ann\u00e4herung an die EG durch die nationalkonservative Rechte.. Ein Grund war aber auch die Bef\u00fcrchtung von Arbeitern und Angestellten, die Personenfreiz\u00fcgigkeit w\u00fcrde den Schweizer Arbeitsmarkt unterlaufen.<br \/>\nIn der Folge steuerte die Regierung auf Bilaterale Vertr\u00e4ge mit der EG, sp\u00e4ter EU, hin. Die Regierung und ein Teil der Arbeitgeber waren jetzt bereit, mit den Gewerkschaften \u00fcber Flankierende Massnahmen zur Personenfreiz\u00fcgigkeit zu verhandeln zum Schutz der L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen. Dabei ging es um ein Entsendegesetz, um die Erleichterung der Allgemeinverbindlichkeitserkl\u00e4rung von Kollektivvertr\u00e4gen und die Installation von tripartiten Kommissionen zur \u00dcberwachung. Im Jahre 2000 stimmte eine grosse Mehrheit der Stimmb\u00fcrger (67,2%) dem \u2013 von flankierenden Massnahmen begleiteten &#8211; Paket der Bilateralen Vertr\u00e4ge mit der EU zu, welches heute noch g\u00fcltig ist; eine wesentliche S\u00e4ule dabei ist die Personenfreiz\u00fcgigkeit im EU-Raum.<br \/>\nIn den folgenden Jahren wurden die flankierenden Massnahmen umgesetzt. Dabei zeigten sich immer wieder L\u00fccken, denn sowohl ausl\u00e4ndische wie inl\u00e4ndische Arbeitgeber waren erfinderisch in der Umgehung von Bestimmungen. Zudem zeigte sich, dass die Kollektivvertrags-Abdeckung in der Schweiz mit 50% tief ist. Im Vorfeld von Erneuerungsschritten der Bilateralen Abkommen gelang es den Gewerkschaften in Verhandlungen mit Regierung und Arbeitgebern mehrmals, die Flankierenden Massnahmen auszubauen (siehe beiliegende Liste). In der Volksabstimmung \u00fcber die Ausdehnung der Personenfreiz\u00fcgigkeit auf die neuen EU-Mitgliedstaaten (\u201eOsterweiterung\u201c) wurden 2005 56% Ja-Stimmen erreicht, gegen den Widerstand der SVP. In der Abstimmung 2009 \u00fcber die Ausweitung auf Bulgarien und Rum\u00e4nien waren es 59,6% JA-Stimmen; diesmal hatte die SVP das Referendum nicht unterst\u00fctzt, welches von anderen rechtsnationalen Gruppen ergriffen worden war.<br \/>\n<strong>2. Die Abstimmung vom 9. Februar 2014<\/strong><br \/>\n2011 beschloss die SVP, eine neue Volksinitiative zu lancieren. Die rechtspopulistische Partei hatte gesehen, dass sie auf die Schweizer Politik vor allem dann Einfluss hat, wenn sie Ausl\u00e4nderthemen politisiert. Der Inhalt der Initiative stellte sich grunds\u00e4tzlich gegen die Personenfreiz\u00fcgigkeit und damit gegen die Zuwanderung. Die Initiative stellte sich auch klar gegen die Flankierenden Massnahmen, welche nach Meinung der SVP die Gewerkschaft st\u00e4rkte. Die Bilateralen Vertr\u00e4ge mit der EU wurden nicht direkt angegriffen \u2013 die SVP behauptete, man k\u00f6nne die Personenfreiz\u00fcgigkeit in Frage stellen ohne die Bilateralen zu gef\u00e4hrden \u2013 man m\u00fcsse nur gut mit der EU verhandeln.<br \/>\nDie Regierung wie auch die Spitzen der Wirtschaft, aber auch die fortschrittlichen Kreise, nahmen die Initiative lange nicht ernst in der \u00dcberzeugung, dass die Mehrheit der Stimmb\u00fcrger einmal mehr \u201evern\u00fcnftig\u201c abstimmen w\u00fcrden. Dies umso mehr als die Schweiz 2013\/14 wirtschaftlich in einer relativ guter Verfassung dasteht und die Arbeitslosigkeit im Vergleich zu den meisten EU-L\u00e4ndern tief ist. Trotz Warnungen der Gewerkschaften sperrten sich die Arbeitgeber und Beh\u00f6rden gegen die dringlich angesagte weitere Verst\u00e4rkung der Flankierenden Massnahmen. Die Gewerkschaften sowie die Sozialdemokratische und die Gr\u00fcne Partei waren klar gegen die SVP-Initiative: Weil sie die Rechte der MigrantInnen mit F\u00fcssen tritt; weil sie den Schutz der L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen schw\u00e4cht; und weil sie die Bilateralen Vertr\u00e4ge mit der EU insgesamt in Frage stellt. In diesem Sinne haben der SGB und die Unia gegen die SVP-Initiative in den letzten Monaten eine Kampagne gef\u00fchrt \u2013 leider ohne Erfolg.<br \/>\nWarum hat eine knappe Mehrheit der Stimmb\u00fcrger (50,3%, wie schon 1992 !) JA zur SVP-Initiative gesagt, im Unterschied zu den fr\u00fcheren Abstimmungen?<br \/>\n\u00b7\tDie Schweiz hat seit 2010 ein fulminantes Wachstum der Besch\u00e4ftigung erlebt: Diese ist in nur vier Jahren um rund 8 Prozent gewachsen, d.h. 2% pro Jahr. Ein Viertel  dieses Wachstums war m\u00f6glich durch eine Erh\u00f6hung der Besch\u00e4ftigungsquote der Einheimischen. Dreiviertel dieses Wachstums erfolgte durch Rekrutierung von Ausl\u00e4nderInnen, j\u00e4hrlich 60&#8217;000 bis 80&#8217;000 Personen mehr. Dies n\u00e4hrte eine  wachstumsfeindliche Diskussion &#8211; die Diskussion \u00fcber den \u201eDichtestress\u201c f\u00fcllte die Zeitungen. Eine zweite Volksinitiative segelt auf dieser Welle, die \u201eEco-Pop\u201c Initiative, deren Abstimmung noch bevorsteht. Mit der neuen Zuwanderung wuchs der Anteil der Ausl\u00e4nderInnen an der st\u00e4ndigen Wohnbev\u00f6lkerung auf 23% , der Anteil am Volumen der geleisteten Arbeit auf 31%. Dies war ein Boden f\u00fcr ausl\u00e4nderfeindliche Diskussionen, welche in der Schweiz immer wieder aufflammen.<br \/>\n\u00b7\tDie Zuwanderung alimentierte wie fr\u00fcher Branchen des Baugewerbes, der Industrie und Landwirtschaft, vermehrt aber auch des Dienstleistungssektors. Seit 2002 wurden aus dem Ausland vermehrt hochqualifizierte Personen rekrutiert, welche oft auch Kaderpositionen \u00fcbernahmen. Im Unterschied zur traditionellen Migration, welche die Besch\u00e4ftigtenstruktur in der Schweiz \u201eunterschichtete\u201c, kam es nun in vielen Betrieben zu einer \u201e\u00dcberschichtung\u201c. Dies erkl\u00e4rt die erh\u00f6hte Bereitschaft auch von mittleren Einkommensgruppen, JA zur SVP-Initiative zu sagen.<br \/>\n\u00b7\tDie verst\u00e4rkte Zuwanderung hat zwar nicht zu einem Absinken der L\u00f6hne insgesamt gef\u00fchrt \u2013 die Gewerkschaften konnten in den letzten Jahren Real-Lohnerh\u00f6hungen von jeweils ca. 1% aushandeln. Aber der Lohn bei Neuanstellungen ist in mehreren Branchen unter Druck geraten. In einzelnen Berufsgruppen ist es zu eklatanten Lohnsenkungen bei Neueinstellungen gekommen, so in der IT-Branche, bei Bankangestellten, JournalistInnen, HauspflegerInnen, etc. Zudem haben sich die F\u00e4lle von krassem Lohndumping geh\u00e4uft. Insbesondere im Baugewerbe wurden immer wieder F\u00e4lle aufgedeckt, wo entsandte Arbeitnehmende nur die H\u00e4lfte oder einen Drittel des gem\u00e4ss allgemeinverbindlichem Kollektivvertrag geschuldeten Lohnes bekamen. Im Tessin gibt es heute einzelne JournalistInnen, Bankangestellte, technische Zeichner, etc. aus der krisengesch\u00fcttelten Lombardei, welche mit dem Status von Grenzg\u00e4ngern f\u00fcr die H\u00e4lfte des bisher branchen\u00fcblichen Lohnes arbeiten! Im Tessin hat sich auch ein eigentlich kriminelles System entwickelt: Die Entsandten Arbeiter verf\u00fcgen zwar \u00fcber korrekte Arbeitvertr\u00e4ge und erhalten auch den korrekten Lohn \u00fcberwiesen \u2013 sie m\u00fcssen davon zu Hause aber postwendend die H\u00e4lfte an ihre \u201ecapi\u201c abf\u00fchren.<br \/>\n\u00b7\tMotor dieser Entwicklung waren grossmehrheitlich nicht etwa Einwanderer, welche einfach mal in die Schweiz eingewandert sind, um hier Arbeit zu suchen. Und es waren nur in einer Minderheit der F\u00e4lle ausl\u00e4ndische Arbeitgeber, welche sich die neuen Freiheiten zunutzen machten und in der Schweiz bei Auftr\u00e4gen \u201eehrliche Schweizer Arbeitgeber\u201c verdr\u00e4ngt haben. Motor der Entwicklung waren Arbeitgeber in der Schweiz, welche das grosse und g\u00fcnstige Arbeitkr\u00e4ftereservoir ausgen\u00fctzt haben. Sei es, um selber Arbeitskr\u00e4fte billiger anstellten. Sei es dass sie ihre Arbeiten an billige ausl\u00e4ndische Firmen ausgegeben haben, wohl wissend, dass diese sich zu so tiefen Preisen nicht an das orts- und branchen\u00fcbliche Lohnniveau halten w\u00fcrden. Deshalb sperrten sich Teile der Arbeitgeberschaft auf gegen eine Verst\u00e4rkung der Flankierenden Massnahmen. Umso unglaubw\u00fcrdiger waren die Arbeitgeber dann vor der Abstimmung, wenn sie den Stimmb\u00fcrgern die \u201eVorz\u00fcge\u201c der Personenfreiz\u00fcgigkeit schmackhaft machen wollten.<br \/>\nAuf diesen Hintergrund hat die SVP-Initiative geschickt operiert. Sie bediente als erstes die Ausl\u00e4nderfeindlichkeit; sodann die wachstumskonservativen Haltungen (\u201egegen die Masslosigkeit\u201c); sie bediente ebenso die \u00c4ngste des \u201eimmer mehr gerupften Mittelstands\u201c; sie erkl\u00e4rte die steigenden Mieten und die \u00fcberf\u00fcllten Z\u00fcge mit der Zuwanderung;  ja sie warnte sogar vor Lohndumping. Entstanden ist daraus in den letzten Wochen vor der Abstimmung ein Amalgam von Opposition aller Art, welches kumuliert die 50,3% der Stimmenden ergab.<br \/>\nWenn wir die Karte der Abstimmungsresultate anschauen, so f\u00e4llt als erstes der Stadt-Land-Gegensatz auf: Die meisten JA-Stimmen hat es in sehr l\u00e4ndlichen Gegenden der Deutschschweiz, wo der Ausl\u00e4nderanteil minim, das Wachstum negativ und von \u201eDichtestress\u201c keine Spur ist. Hier erfolgte ein klar nationalkonservatives und ausl\u00e4nderfeindliches Votum. In den Grosst\u00e4dten, von Genf \u00fcber Bern und Z\u00fcrich nach Basel, ist die SVP-Initiative dagegen mit 60 bis 70% NEIN-Stimmen abgelehnt worden, obwohl hier Ausl\u00e4nderanteile in der Bev\u00f6lkerung von weit \u00fcber 30% gez\u00e4hlt werden. Hier konnte sich die linke, linksliberale und gewerkschaftliche Deutung der Probleme weitgehend durchsetzen. Dieser Einfluss schwindet jedoch deutlich bereits in den Agglomerationen der St\u00e4dte.<br \/>\nZweitens sehen wir die Schweiz in drei Sprachregionen geteilt: Die Deutschschweiz hat \u2013 trotz dem Nein der gr\u00f6sseren St\u00e4dte &#8211; die SVP-Initiative klar angenommen, die Romandie klar abgelehnt (wenn auch die Distanz zur Deutschschweiz kleiner geworden ist gegen\u00fcber 1992). Auch das Nein der Romandie hat nicht mit geringerer Ausl\u00e4nder- oder Dichtezahlen oder weniger Lohndumping zu tun, sondern mit der st\u00e4rkeren Deutungskraft der fortschrittlichen Kr\u00e4fte. Auch die Gewerkschaften sind in der Romandie etwas st\u00e4rker als in der Deutschschweiz (Organisationsgrad, GAV-Abdeckungsgrad, \u2026). Die SVP ist klar schw\u00e4cher. Ein Sonderfall ist der Tessin: Wenn hier \u00fcber 70% JA gestimmt haben, dann war ein gewichtiger Grund daf\u00fcr die beschriebene Degeneration auf dem Arbeitsmarkt.<br \/>\nSchliesslich zeigt sich im Resultat klar der Links-Rechts-Gegensatz. Grosse St\u00e4dte, aber auch kleinere Gemeinden mit traditionell h\u00f6herem Anteil von linken und gr\u00fcnen W\u00e4hlern, haben NEIN gesagt. D.h. nur ein kleiner Teil der Basis der Linken und der Gr\u00fcnen ist dem oben beschriebenen Amalgam erlegen. Ganz im Unterschied zur Basis der FDP (\u201eFreisinnige\u201c, liberale Partei)  und der  CVP (Christliche Volkspartei), die sich in den letzten Jahren immer mehr in Richtung SVP bewegt hatten (ganz offensichtlich in der Asylpolitik) und die nicht bereit waren f\u00fcr eine Verst\u00e4rkung der Flankierenden Massnahmen zum Lohnschutz und ebenso wenig in Sachen Wohnungspolitik.<br \/>\n<strong>3. Wie weiter?<\/strong><br \/>\nDie Abstimmung ist ein tiefer Einschnitt. Die Konsequenzen werden weittragend sein. Denn die Initiative verlangt nicht einfach, dass die Schweizer Regierung mit der EU neu \u00fcber die Ausgestaltung der Personenfreiz\u00fcgigkeit verhandelt. In der Schweizer Verfassung (Volksinitiativen erweitern immer die Verfassung) steht nun, dass die Einwanderung mit \u201eH\u00f6chstzahlen und Kontingenten begrenzt\u201c wird. Damit gemeint sind nicht irgendwelche Ventilklauseln. Die SVP verlangt, dass die Schweiz wieder zur\u00fcckkommt auf die fr\u00fcheren quantitativen Beschr\u00e4nkungen und Bewilligungen, welche nur befristet sind und keinen Familiennachzug erlauben. Einige Politiker der SVP verlangen offen die Wiedereinf\u00fchrung des Saisonnierstatuts. Gleichzeitig sollen nach dem Willen der SVP die eingef\u00fchrten Flankierenden Massnahmen zur Kontrolle der Lohn- und Arbeitsbedingungen wegfallen, da die Kontrolle in Zukunft bei der Bewilligungserteilung im Rahmen der Kontingente erfolgen werde.<br \/>\nAll dies ist eine Ohrfeige f\u00fcr mehr als eine Millionen EU-B\u00fcrger, welche heute in der Schweiz leben und eine massive Diskriminierung f\u00fcr alle die in Zukunft in die Schweiz kommen werden. Es ist ein Schlag f\u00fcr die Gewerkschaften, welche mit den Flankierenden Massnahmen schrittweise wieder mehr Einfluss auf dem Arbeitsmarkt bekommen haben. Und es ist nat\u00fcrlich auch eine wirtschaftliche Bedrohung, da die Personenfreiz\u00fcgigkeit mit anderen Abkommen mit der EU verbunden ist (Wegfall verschiedener Handelshemmnisse; Bildungs- und Forschungsabkommen; etc.).<br \/>\nEs ist klar, dass sich die Gewerkschaften all diesen R\u00fcckschritten widersetzen:<br \/>\n\u00b7\tWir werden alle diskriminierenden Aufenthaltsstatute bek\u00e4mpfen. Wir werden mit allen unseren Kr\u00e4ften f\u00fcr die Rechte der MigrantInnen einstehen. Um die neuen Diskriminierungen einzuf\u00fchren braucht es entsprechende neue Gesetze, gegen die wir mit allen Mitteln angehen werden.<br \/>\n\u00b7\tWie immer die Zuwanderung geregelt ist, braucht es einen Schutz der L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen nach dem Prinzip gleicher Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit am gleichen Ort. Dieser Schutz muss verst\u00e4rkt, nicht geschw\u00e4cht werden. Wir k\u00e4mpfen deshalb weiterhin f\u00fcr diese Schutzmassnahmen (Flankierende Massnahmen).<br \/>\n\u00b7\tWir bek\u00e4mpfen die Gef\u00e4hrdung der Bilateralen Abkommen und das Abgleiten der Schweiz in den totalen Alleingang. Die Bilateralen Abkommen sind das Minimum einer umfassenderen Regelung mit Europa, das unsere Nachbarschaft darstellt, unser wichtigster Partner im Austausch der Waren, des Wissens, der Kultur. F\u00fcr uns ist es klar, dass die EU nicht zulassen kann, dass die Personenfreiz\u00fcgigkeit f\u00fcr die Schweiz nicht mehr gilt, wohl aber alle anderen Abkommen, welche zu unserem Vorteil sind. Dies hat der Europ\u00e4ische Gewerkschaftsbund in einer ersten Stellungnahme auch festgehalten.<br \/>\nDie Abstimmung hat die Schweizer Politik in eine chaotische Situation und letztlich in eine Sackgasse gef\u00fchrt. Es wird nicht die letzte Volksabstimmung zum Thema gewesen sein. Die Gewerkschaften in der Schweiz werden trotz dem R\u00fcckschlag weiterhin f\u00fcr die Rechte der Arbeitenden &#8211; ob mit oder ohne Schweizer Pass \u2013 k\u00e4mpfen und gegen alle Diskriminierungen. Die Gewerkschaften werden sich auch weiterhin f\u00fcr ein gutes Verh\u00e4ltnis zu unseren Europ\u00e4ischen Nachbarn und zur Europ\u00e4ischen Gemeinschaft einsetzen. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund versteht sich als ein Teil der Europ\u00e4ischen Gewerkschaftsbewegung, welche sich f\u00fcr den sozialen Fortschritt statt R\u00fcckschritt engagiert. Ein wichtiger gemeinsamer Kampf ist dabei die Durchsetzung des Prinzips \u201egleicher Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit am gleichen Ort\u201c in ganz Europa.<br \/>\nBern, 14. Februar 2014<br \/>\np.s. Wir werden unsere Schwestergewerkschaften weiter informieren, sobald klarer ist welche entscheidenden neuen Auseinandersetzungen anstehen und welche Rolle auch die europ\u00e4ischen Gewerkschaften dabei spielen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1168"}],"collection":[{"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1168"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1168\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1774,"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1168\/revisions\/1774"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1168"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1168"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1168"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}