{"id":1882,"date":"2019-04-19T16:13:13","date_gmt":"2019-04-19T16:13:13","guid":{"rendered":"http:\/\/global-labour.info\/de\/?p=1882"},"modified":"2022-03-11T14:20:36","modified_gmt":"2022-03-11T14:20:36","slug":"anmerkungen-zu-willy-buschaks-fimmen-biographie-reiner-tosstorff-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/global-labour.info\/de\/2019\/04\/19\/anmerkungen-zu-willy-buschaks-fimmen-biographie-reiner-tosstorff-2019\/","title":{"rendered":"Anmerkungen zu Willy Buschaks Fimmen-Biographie (Reiner Tosstorff, 2019)"},"content":{"rendered":"<p><em>Willy Buschak, Edo Fimmen. Der sch\u00f6ne Traum von Europa und die Globalisierung. Eine Biographie. Mit einem Vorwort von Peter Friedemann, Essen 2002, 333 S.<\/em><\/p>\n<p>Edo Fimmen war der bedeutendste internationale Gewerkschaftsf\u00fchrer der Zwischenkriegszeit. Denn er verband vergleichsweise erfolgreich das \u201eAlltagsgesch\u00e4ft\u201c, den Aufbau der Organisation in Verbindung mit der Verbesserung der Lage der von ihr Organisierten, mit strategischer Weitsicht und der F\u00e4higkeit zu politischen Initiativen, die scheinbar weit \u00fcber gewerkschaftliche Aufgaben hinausgingen. Eine geschlossene Lebensdarstellung war schon l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig, insbesondere da in der letzten Zeit einzelne Facetten seines Lebens schon ausf\u00fchrlich dargestellt wurden.<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Edo Fimmen wurde 1881 in der N\u00e4he von Amsterdam in der Familie eines kaufm\u00e4nnischen Angestellten geboren. Auch er absolvierte eine entsprechende Ausbildung und begann um die Jahrhundertwende mit seiner beruflichen Laufbahn in einer internationalen \u00d6lfirma. Zur gleichen Zeit f\u00fchrte ihn seine religi\u00f6se Erziehung in die Heilsarmee. Das dadurch bef\u00f6rderte Interesse an der \u201asozialen Frage\u2019 brachte ihn in Kontakt zu religi\u00f6sen Anarchisten und dar\u00fcber zur organisierten (sozialdemokratischen) Arbeiterbewegung. Im Jahre 1905 war er Mitbegr\u00fcnder der niederl\u00e4ndischen Angestelltengewerkschaft und wurde zwei Jahre sp\u00e4ter deren hauptamtlicher Sekret\u00e4r. Im Jahre 1910 entstand auch ein internationales Angestelltensekretariat, das er ebenfalls \u00fcbernahm.<\/p>\n<p>Doch bevor er aus der noch jungen Angestelltenbewegung einen wichtigen Zweig der internationalen sozialistischen Arbeiterbewegung machen konnte, brach der Erste Weltkrieg aus und r\u00fcckte ihn unerwartet in das Zentrum des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB), des Dachverbandes der nationalen Gewerkschaftszentralen. Er half bei der internationalen Koordination mit, die die neutralen Niederl\u00e4nder f\u00fcr die nach Kriegsgegnern gespaltene internationale Gewerkschaftsbewegung aus\u00fcbten. Beim Wiedergr\u00fcndungskongress des IGB im Juli 1919 wurde er dann zu einem der beiden Sekret\u00e4re gew\u00e4hlt. Er nahm die Wahl an, zun\u00e4chst vor allem \u201eaus Pflichtbewusstsein\u201c. Diese Aufgabe wurde ihm aber sofort zum Lebensinhalt, zusammen mit der zur gleichen Zeit \u00fcbernommenen, zun\u00e4chst ehrenamtlichen Sekret\u00e4rsfunktion bei der Wiederbelebung der Internationalen Transportarbeiter-F\u00f6deration (ITF), des wichtigsten Internationalen Berufssekretariats (IBS).<\/p>\n<p>Fimmen pr\u00e4gte zun\u00e4chst die politische Ausrichtung des IGB. Dass sich die Gewerkschaften auf \u00f6konomische Tagesaufgaben zu beschr\u00e4nken hatten, wie es so vehement von den deutschen Gewerkschaften vor 1914 verfochten worden war, war nicht nur f\u00fcr ihn jetzt unhaltbar geworden. Er gab den Ansto\u00df zu einer Reihe von Kampagnen, die aus dem IGB den \u201eGeneralstab\u201c der europ\u00e4ischen Gewerkschaftsbewegung machen sollten. Die Nachkriegsgesellschaft sollte nach ihren Vorstellungen gestaltet werden. Der Kampf gegen den Krieg war dabei die zentrale Aufgabe. Auf Fimmens Initiative kam im Dezember 1922 der internationale Anti-Kriegskongress von Den Haag zustande, auf dem sich die internationale Gewerkschaftsbewegung auf die Organisierung eines Generalstreiks im Kriegsfall verpflichtete.<\/p>\n<p>Doch diese Jahre waren auch die Zeit der politischen Spaltung der internationalen Arbeiterbewegung, wie sie sich aus dem Verhalten bei Kriegsausbruch und aus der bolschewistischen Revolution ergab und in der Gr\u00fcndung der Kommunistischen Internationale gipfelte. Sie fand ihr gewerkschaftliches Echo 1920\/21 in der Bildung der Roten Gewerkschaftsinternationale (RGI). Fimmen erkl\u00e4rte zwar von Anfang an seine Bereitschaft, mit den russischen Gewerkschaften zu reden &#8211; was viele nicht ernst nehmen wollten -, trat aber ganz entschieden gegen die RGI auf. Ihre Existenz k\u00f6nne nur die Spaltung bef\u00f6rdern. Er war es vor allem, der 1921\/22 als Wortf\u00fchrer des IGB auf zahlreichen nationalen Gewerkschaftskongressen gegen den Anschluss an \u201aMoskau\u2019 auftrat.<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Wende kam Anfang 1923 mit dem Ausbruch der Ruhr-Krise. Die Organisationen des IGB konnten sich nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen. Vom Generalstreik war keine Spur zu finden. Fimmen \u00e4u\u00dferte heftige Kritik an diesem Versagen, woraufhin ihm ebenso hart geantwortet wurde. Zudem begann er nun, unter seinem \u201ezweiten Hut\u201c als ITF-F\u00fchrer, einen Dialog mit den russischen Gewerkschaften (die inzwischen die RGI-Frage in den Hintergrund ger\u00fcckt hatten). Er wurde regelrecht aus seiner Stelle beim IGB gemobbt, verblieb aber als nun hauptamtlicher ITF-Sekret\u00e4r. Als solcher konnte er aber auch wieder auf den IGB zur\u00fcckwirken.<\/p>\n<p>Es gelang ihm, dieses schon st\u00e4rkste Internationale Berufssekretariat weiter auszubauen \u2013 zu einem internationalen Akteur, w\u00e4hrend die meisten IBS noch weiterhin haupts\u00e4chlich als Auskunftsstellen f\u00fcr die nationalen Mitgliedsorganisationen wirkten. Besonderen Wert legte er darauf, das Wort \u201einternational\u201c nicht nur als schm\u00fcckendes Adjektiv zu sehen. Er unternahm verschiedene Initiativen in Richtung auf das, was man heute \u201eDritte Welt\u201c nennt und zu seiner Zeit noch \u00fcberwiegend in kolonialer Abh\u00e4ngigkeit von den europ\u00e4ischen Metropolen stand. Mit seinen antikolonialen Aktivit\u00e4ten stach er aus dem Kreis der europ\u00e4ischen Gewerkschaftsf\u00fchrer hervor.<\/p>\n<p>Er unternahm auch als einziger einen umfangreichen Versuch, die sich herausbildende \u201eInternationalisierung des Kapitals\u201c, das Entstehen multinationaler Firmen, in einem 1924 zuerst ver\u00f6ffentlichten Buch theoretisch zu analysieren.<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[3]<\/a> Daraus leitete er nicht nur Zielstellungen f\u00fcr die internationale Gewerkschaftsbewegung ab. Er forderte eine immer wieder diskutierte, aber niemals realisierte Umstrukturierung: Ihre zwei S\u00e4ulen \u2013 die horizontale Vereinigung der nationalen Gewerkschaftsb\u00fcnde im IGB (heute: IBFG \/ Internationaler Bund freier Gewerkschaften) und die vertikale in Gestalt der Internationalen Berufssekretariats (heute Globale Gewerkschaftsf\u00f6derationen) &#8211; sollten umstrukturiert werden. Der IGB sollte nicht l\u00e4nger Ausdruck der nationalen Beschr\u00e4nkungen der Mitgliedszentralen sein, deren Summe ja nicht automatisch Internationalit\u00e4t gew\u00f6nne, sondern auf den IBS als den Vertretern der l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Interessen der verschiedenen Arbeitergruppen beruhen. Dieser Vorschlag lie\u00df sich nie verwirklichen. Statt dessen durchziehen die Entwicklung der internationalen Gewerkschaftsbewegung bis heute immer wieder aufbrechende Konflikte zwischen diesen beiden internationalen Gewerkschaftsstrukturen.<\/p>\n<p>Nach 1924 setzte er allerdings auch seine Bem\u00fchungen um die internationale Gewerkschaftseinheit mit den Russen fort (vor allem durch das sogenannte Anglo-Russische Komitee). Dies rief zahlreiche Kritiker auf den Plan, doch war er angesichts seiner erfolgreichen Organisationsarbeit fast unangreifbar, musste aber auch immer wieder in der ITF Konzessionen machen. Doch die \u201einternationale Einheit\u201c scheiterte &#8211; an politischen R\u00fcckschl\u00e4gen im Westen (vor allem an der Niederlage im britischen Generalstreik von 1926), nicht zuletzt aber an der Stalinschen Wende ab 1928\/29. Diese setzte nicht nur unter dem Zeichen des Kampfes gegen den \u201eSozialfaschismus\u201c die Gewerkschaftsspaltung international auf die Tagesordnung. Auch angesichts der inneren Entwicklung der UdSSR 1929 markierte Fimmen eine klare Distanz.<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise wurde ihm aber auch schneller und nachdr\u00fccklicher als den meisten anderen Gewerkschaftsf\u00fchrern klar, welche neue Bedrohung der deutsche Faschismus darstellte. Auf seine Initiative hin bem\u00fchte sich die ITF, sowohl die deutschen Gewerkschaften wie den IGB zu mobilisieren &#8211; bekanntlich ohne Erfolg. Auf jeden Fall war es ihm zu verdanken, dass die ITF vom ersten Augenblick an zu einem wichtigen R\u00fcckhalt des Arbeiterwiderstandes wurde. Zahllose aus den deutschen Transportarbeitergewerkschaften hervorgegangene Netzwerke h\u00e4tten ohne die tatkr\u00e4ftige Hilfe aus Amsterdam nicht so wirken k\u00f6nnen. \u00c4hnlich setzte er ab 1936 die ITF zur Unterst\u00fctzung der spanischen Republik ein.<\/p>\n<p>Dabei wurde seine politische Skepsis \u00fcber die gro\u00dfen Arbeiterparteien immer gr\u00f6\u00dfer. Im Jahre 1932 war er an einer Linksabspaltung von der niederl\u00e4ndischen Sozialdemokratie beteiligt. Eng kooperierte er nach 1933 mit deutschen linkssozialistischen Gruppen. Die Gewerkschaften wurden ihm nun das eigentliche Instrument zur \u201eBefreiung der Arbeiterklasse\u201c.<\/p>\n<p>Doch er erlitt nicht nur die Entt\u00e4uschungen \u00fcber die politische Entwicklung, die immer unaufhaltsamer auf den Weltkrieg zulief. Sein jahrelanger, keine R\u00fccksicht auf sich nehmender Lebensstil des v\u00f6lligen Einsatzes f\u00fcr die Organisation machte sich Ende 1938 in einem gesundheitlichen Zusammenbruch bemerkbar. Seine sehr realistische Einsch\u00e4tzung \u00fcber das Bevorstehende verband sich mit einer Art Schuldbewusstsein, nicht alles N\u00f6tige getan zu haben, um die Katastrophe aufzuhalten. W\u00e4hrend er nach einer nur halben Rekonvaleszenz das \u00dcberleben der ITF durch die Vorbereitung auf die Illegalit\u00e4t und das Verlegen ihres Sitzes nach Gro\u00dfbritannien sicherte, machte er eine Hinwendung zur Religiosit\u00e4t w\u00e4hrend seiner Jugend durch. Schon in Gro\u00dfbritannien musste er aufgrund seiner Gesundheit faktisch der F\u00fchrung der ITF entsagen, um dann, ab Herbst 1941 in Mexiko, doch noch zu hoffen, ohne Arbeitsbelastung und in einem w\u00e4rmeren Klima die Gesundheit halbwegs wiederherstellen zu k\u00f6nnen. Vergeblich, am 14. 12. 1942 starb er dort.<\/p>\n<p>Willy Buschak hat dieses hier zusammengefasste Leben eindr\u00fccklich geschildert. Seine Biographie setzt zwar mit einem kurzen \u00dcberblick \u00fcber seine Jahre bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs ein. Er verzichtet dann aber auf die sklavische Befolgung der Chronologie, sondern entfaltet Fimmens Lebensbeschreibung entlang inhaltlich bestimmter Kapitel. Ganz grob nach der zeitlichen Abfolge geordnet folgen sie den jeweiligen Schwerpunkten in seinen Aktivit\u00e4ten. Das kann zwar zu gelegentlichen Zeitspr\u00fcngen f\u00fchren, wenn Buschak einen bestimmten Entwicklungsfaden bis zum Ende verfolgt oder die Vorgeschichte aufdr\u00f6selt, macht aber Fimmens politische und intellektuelle Entwicklung vor dem Hintergrund seiner intensiven Aktivit\u00e4ten noch pr\u00e4gnanter. Zwei \u201a\u00fcbergreifende Thematiken\u2019 sind allerdings als Schlusskapitel gesondert behandelt: Zum einen beschreibt er Fimmen als Reisenden. Dabei stehen nicht die politischen Absichten im Vordergrund, die mit ihnen normalerweise verbunden waren und die in den entsprechenden vorausgehenden Abschnitten dargestellt sind, sondern es geht um die Wahrnehmung dieser L\u00e4nder. Auch wenn das etwa in der ausf\u00fchrlich geschilderten Russland-Reise von 1924 kaum von der Politik zu trennen war, wie Buschak auch anhand der \u00fcberlieferten Materialien zu dieser seinerzeit umstrittensten Reise Fimmens ausf\u00fchrlich darstellt. Denn er bezog daf\u00fcr scharfe Kritik von der europ\u00e4ischen Sozialdemokratie.<\/p>\n<p>Zum anderen geht es um das \u201eFamilienleben\u201c mit seinen beiden aufeinanderfolgenden Lebenspartnerinnen, mit denen er jeweils zwei Kinder hatte. Die Zeit mit seiner Frau Nellie \u2013 die Heirat erfolgte 1905 \u2013 war noch \u00fcberwiegend von seinem Aufstieg in eine gewerkschaftliche F\u00fchrungsposition, damit auch \u00fcberwiegend von gro\u00dfen materiellen Sorgen, bestimmt und war zudem von psychischen Krisen seiner Partnerin \u00fcberschattet. Fimmen, der Ende 1922 das gemeinsame Haus verlie\u00df und praktischerweise gleich ein paar Stockwerke \u00fcber dem ITF-B\u00fcro einzog, vers\u00e4umte aber auch sp\u00e4ter, selbst nach 1939, nicht, sich um ihr materielles Wohl und das der gemeinsamen Kinder zu k\u00fcmmern. Es waren wohl die neuen Anforderungen aus dem Leben als internationaler Gewerkschaftsf\u00fchrer, die letztlich diese Beziehung beendeten. Seine neue Lebenspartnerin aus Deutschland kam damit als politische Aktivistin sicherlich besser zurecht. Er hatte sie noch als Sozialdemokratin kennen gelernt, sie war aber beim Beginn ihrer Beziehung schon Kommunistin und sollte dann sogar f\u00fcr einige Jahre in Moskau arbeiten, von wo sie aber schon etwa 1925 wieder nach Deutschland zur\u00fcckkehrte (um dann in linksoppositionellen Kreisen aktiv zu sein). So bestand diese Beziehung eigentlich nur in Begegnungen bei Fimmens h\u00e4ufigen Auslandsreisen. Da der Beginn dieser Beziehung mit Fimmens \u201aLinkswende\u2019 parallel lief, rankten sich schnell auch geh\u00e4ssige Ger\u00fcchte innerhalb der ITF darum, gegen die er sich sehr heftig zur Wehr setzte.<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Buschak verzichtet aber wohltuenderweise auf jegliche Spekulation, was bei solchen Dingen vermeintlich leicht auf der Hand liegt, eventuell auch noch gepaart mit psychoanalytischen Versuchen. Er l\u00e4sst die von ihm vor allem aus einer Reihe von Andeutungen gegen\u00fcber Dritten zusammengetragenen Fakten sprechen, die er hat, da der Briefwechsel vor allem mit seiner zweiten Partnerin weitgehend verloren ist.<\/p>\n<p>Trotz der knappen Ausf\u00fchrungen rundet sich dadurch das Bild von Fimmen als eines Menschen ab, der wenig private Interessen au\u00dferhalb seiner gewerkschaftlich-politischen Aktivit\u00e4ten verfolgte, ja ganz darin aufging, sich dabei buchst\u00e4blich aufrieb, etwa durch sein st\u00e4ndiges Reisen<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[6]<\/a>. Dabei verstand er es sehr gut, auf Mitmenschen zuzugehen. Ebenso begegnete er seiner Umwelt mit einer breiten intellektuellen Neugier. Zahlreiche kunsthandwerkliche Dinge, die er von seinen Reisen mitbrachte, zeigen, dass er nicht nur Sitzungstermine wahrnahm. Buschak jedenfalls gelingt es, durch eine Reihe von \u00c4u\u00dferungen seiner Zeitgenossen und Freunde ein ziemlich lebendiges Bild von ihm zu zeichnen. Doch idealisiert er ihn keineswegs, etwa aus R\u00fccksicht auf seine vielfachen fortschrittlichen Aktivit\u00e4ten: \u201eBei aller Modernit\u00e4t in Fimmens Denken soll nicht verschwiegen werden, dass Fimmens Politikstil, der Stil des Patrons, des autokratischen Gewerkschaftsf\u00fcrsten, der alles am liebsten selbst entscheidet und gar nichts delegiert, der sich v\u00f6llig in der Bewegung aufreibt, heute eher abschreckend wirkt.\u201c (S. 304)<\/p>\n<p>Willy Buschak begegnete die Person Fimmen zuerst bei einigen Arbeiten, die er z. T. noch als hauptberuflicher Historiker unternommen hatte.<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[7]<\/a> An die Verwirklichung einer Biographie, zu der ihn auch schon Susanne Miller angeregt hatte, ging er jedoch erst als Sekret\u00e4r des Europ\u00e4ischen Gewerkschaftsbundes. Ausdr\u00fccklich auch, weil er in bestimmten Richtlinien der Europ\u00e4ischen Union, z. B. zur Einrichtung von Eurobetriebsr\u00e4ten, eine Art Verwirklichung von Fimmens Forderung nach grenz\u00fcberschreitender Gewerkschaftssolidarit\u00e4t sah. Ob Fimmen allerdings in der EU die ihm vorschwebende Internationalit\u00e4t realisiert gesehen h\u00e4tte &#8211; schlie\u00dflich misstraute er dem europ\u00e4ischen Kapital grunds\u00e4tzlich, somit konnte f\u00fcr ihn Europa nur sozialistisch sein -, mag dahingestellt bleiben. Wie dem auch sei, so entstand jedenfalls diese Biographie Fimmens unter den zeitlichen Beschr\u00e4nkungen, die dem Autor seine gewerkschaftlichen Aufgaben auferlegten.<\/p>\n<p>Sie konnte somit nicht \u201edie\u201c gro\u00dfe wissenschaftliche Biographie sein, die man sich eigentlich w\u00fcnschte. Neben einigen kleineren Archivbest\u00e4nden sch\u00f6pfte er im wesentlichen aus dem ITF-Archiv, das sich zum gr\u00f6\u00dften Teil in der Universit\u00e4t Warwick, zu einem kleineren in der Friedrich-Ebert-Stiftung befindet. Auch da Fimmen das Pers\u00f6nliche kaum vom Beruflichen trennte, ist das nat\u00fcrlich unbezweifelbar die wesentliche Quelle. Doch zahlreiche Aspekte von Fimmens Wirken haben ihren archivalischen Niederschlag woanders gefunden. Z. B. konnte Buschak &#8211; zum gesamten Komplex von Fimmens Kontakten mit den Kommunisten &#8211; nicht die umfangreichen Best\u00e4nde in Moskau durchsehen<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[8]<\/a>.<\/p>\n<p>Obwohl ein nicht unwesentlicher Bestandteil von Fimmens Aktivit\u00e4ten als ITF-F\u00fchrer in der Beziehung zur Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) lag \u2013 auch wenn er selbst eine sehr realistische Einsch\u00e4tzung ihrer Wirksamkeit hatte, mit der er auch keineswegs hinter dem Berg hielt -, vermisst man hierzu leider Nachforschungen in deren Archiv. Die IAO befasste sich von Anfang an intensiv mit Regelungen zur Transportindustrie und vor allem zur Schiffahrt und unterhielt deswegen eine umfangreiche Korrespondenz mit Fimmen und anderen ITF-F\u00fchrern. Zudem ging der erste IAO-Direktor Albert Thomas nicht nur den eigentlichen \u201eFachfragen\u201c nach, sondern verfolgte ganz intensiv die Vorg\u00e4nge in der internationalen Gewerkschaftsbewegung. Als jemand, der aus dem entschieden reformistischen Fl\u00fcgel der franz\u00f6sischen Sozialdemokratie kam, bem\u00fchte er sich dabei in vertraulicher Korrespondenz mit den Fimmen-Gegnern im IGB auch ganz unverfroren darum, diesen den R\u00fccken gegen ihren Widerpart zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Bei den von Buschak aufgez\u00e4hlten Mitarbeitern Fimmens in der ITF wird der Deutsche Eduard Weckerle nur ganz kurz als zeitweiliger Dokumentar gestreift. Doch scheint sein Einfluss gr\u00f6\u00dfer gewesen zu sein. In der bereits erw\u00e4hnten Rede Fimmens auf dem ITF-Generalrat vom Juni 1923<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[9]<\/a> wurde er als einer der \u201eInspiratoren\u201c f\u00fcr seine Wende von Anfang 1923 aufgef\u00fchrt. Weckerle, aus der USPD kommend und sp\u00e4ter in der SAP aktiv, wo er u. a. Mitverfasser des \u201eRoten Gewerkschaftsbuchs\u201c war, deutete dann im September 1927 \u2013 auf dem H\u00f6hepunkt der ITF-internen Auseinandersetzungen um Fimmens angeblichen Pro-Kommunismus &#8211; in einem Privatbrief an, dass er sich mit Fimmen \u00fcber dessen politischen Kurs grunds\u00e4tzlich zerstritten habe. Die Formulierungen lassen erkennen, dass er zeitweilig nicht unwichtig f\u00fcr Fimmen gewesen war.<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[19]<\/a><\/p>\n<p>Buschak hat ganz zu Recht Fimmens internationales Wirken in den Vordergrund gestellt. Dennoch w\u00e4re eine wirklich umfassende Biographie sicher nicht m\u00f6glich, wenn sie nicht auch intensiver auf seine Einbindung in die niederl\u00e4ndische Arbeiterbewegung und deren \u201aMilieus\u2019 einginge. Denn auch nachdem er 1919 seine internationalen F\u00fchrungsfunktionen \u00fcbernommen hatte, kappte er diese Verbindungen nicht. Zwar scheint dies auch immer wieder bei Buschak durch. Doch w\u00e4re es sicher noch eine lohnende Aufgabe, dem genauer nachzugehen.<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[11]<\/a><\/p>\n<p>Was man zudem vermisst, ist eine genaue Verortung Fimmens im damaligen gewerkschaftlichen Spektrum. Er war, bei aller Bedeutung, die er der gewerkschaftlichen Organisation beima\u00df, sicherlich kein Syndikalist. Die von dieser Richtung propagierte \u201eantib\u00fcrokratische\u201c Sto\u00dfrichtung ging ihm g\u00e4nzlich ab, so sehr er sich auch immer wieder \u00fcber b\u00fcrokratische Vorgehensweisen und Illusionen in eine nicht aufhaltbare kapitalistische Aufw\u00e4rtsentwicklung erregte. Sein politisches Bezugsfeld war das der hauptamtlichen Gewerkschaftsf\u00fchrer des IGB, der IBS, der Mitgliedsverb\u00e4nde der ITF, auch wenn er dabei immer wieder den Kontakt zur gewerkschaftlichen Basis suchte. In den Gewerkschaftsf\u00fchrungen war er aber auf jeden Fall der ma\u00dfgebliche Repr\u00e4sentant des linken Fl\u00fcgels. Diesen Fl\u00fcgel zwischen den Kommunisten und den sozialdemokratisch-reformistischen Kr\u00e4ften charakterisierte die ausdr\u00fcckliche Ablehnung des Nationalismus und ihr Antimilitarismus. Zugleich wirkten seine Vertreter entschieden am Aufbau einer starken, international ausgerichteten und m\u00f6glichst auf dem Industrieprinzip aufbauenden Gewerkschaftsorganisation. Mit all dem haben sie sich letztlich als die \u201eModerneren\u201c gegen\u00fcber vielen ihrer Kollegen in den Gewerkschaftsf\u00fchrungen erwiesen. In der Ausrichtung auf Kampagnen sahen sie die Achse der Gewerkschaftsarbeit. Gewerkschaftliches Handeln von staatlichen Schlichtungsmechanismen, selbst wenn sozialdemokratische Mehrheiten vordergr\u00fcndig einen sicheren B\u00fcndnispartner zu garantieren schienen, oder von den Ergebnisse der IAO abh\u00e4ngig zu machen, lag ihnen fern. Zudem bestand f\u00fcr sie der \u201eSinn\u201c der gewerkschaftliche Tagesarbeit in ihrer Einordnung in eine langfristige sozialistische Perspektive. So mussten sie sich immer wieder vorwerfen lassen, sie wollten der Gewerkschaftsarbeit eine andere, <u>politische<\/u> Ausrichtung geben. Dabei gerieten sie andererseits aber auch immer wieder in Konflikt mit den Kommunisten, weil sie in der Einheit der Gewerkschaftsorganisation die Grundlage ihrer T\u00e4tigkeiten sahen und dabei oft genug mit neuen \u201eGenerallinien\u201c konfrontiert wurden. Allerdings, immer wenn die Kommunisten eine einheitsfrontorientierte Gewerkschaftsarbeit verfolgten, erweiterte sich auch ihr Spielraum und entsprechende Initiativen wurden m\u00f6glich. Neben Fimmen geh\u00f6rten dazu z. B. der Sekret\u00e4r der Lebensmittelarbeiter-Internationale, Jean Schifferstein, oder eine Reihe von F\u00fchrern des britischen TUC, die die Initiatoren des Anglo-Russischen Gewerkschaftskomitees im Jahre 1925 waren; in Deutschland standen daf\u00fcr zahlreiche ex-USPD-Gewerkschaftsf\u00fchrer, allen voran der Metallarbeiterf\u00fchrer Robert Di\u00dfmann, der auch im Internationalen Metallarbeiterbund eine wichtige Rolle spielte und mit Fimmen in engem Kontakt stand.<a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[12]<\/a> Diese internationalen \u201aNetzwerke\u2019 sind hier leider nur wenig beleuchtet, allerdings auch nur schwer zu rekonstruieren, da sie, von gelegentlichen gemeinsamen Auftritten auf internationalen Gewerkschaftskonferenzen abgesehen, wesentlich einen informellen Charakter hatten und entsprechend geringen Niederschlag in den sowieso nur ziemlich prek\u00e4r \u00fcberlieferten Gewerkschaftsarchiven fanden.<\/p>\n<p>Leider findet sich auch eine Reihe kleinerer Fehler in diesem Band. Fimmen nahm etwa bereits vor dem Weltkrieg, im Jahre 1913, als Sekret\u00e4r der Angestellten-Internationale an einer Konferenz des IGB teil (S. 26). Der bolschewistische Gewerkschaftsf\u00fchrer Schljapnikow hielt sich nicht im Fr\u00fchjahr 1919, sondern genau ein Jahr sp\u00e4ter in Westeuropa auf (S. 96). (1919 sollte Rjazanow eine Delegation zur Wiedergr\u00fcndung des IGB leiten, die aber aufgrund der Kriegssituation nicht reisen konnte, was ansonsten m\u00f6glicherweise zu einem ganz anderen Verh\u00e4ltnis auf der internationalen Gewerkschaftsebene gef\u00fchrt h\u00e4tte.) Schljapnikov sollte nicht nur \u2013 als Vorsitzender der Metallarbeitergewerkschaft \u2013 den Kontakt zu den entsprechenden Verb\u00e4nden in Westeuropa herstellen, sondern war nicht zuletzt zum ITF-Kongress in Oslo im M\u00e4rz 1920 delegiert worden. F\u00fcr diesen traf er aber zu sp\u00e4t ein, so dass, anstelle der Herstellung eines direkten Kontakts, nicht mehr als das auch bei Buschak erw\u00e4hnte Begr\u00fc\u00dfungstelegramm aus Moskau verlesen werden konnte. Fimmen traf allerdings bereits Ende 1920 mit dem Vorsitzenden der russischen Chemiearbeiter zusammen, der in Amsterdam das entsprechende Internationale Berufssekretariat aufgesucht hatte. Jedoch geh\u00f6rte dieser nicht zur bolschewistischen F\u00fchrungsgruppe wie Schljapnikow, und so blieb dieser Kontakt folgenlos. Nicht zuletzt kam es auch bald darauf zur Gr\u00fcndung der RGI.<\/p>\n<p>Solche und einige kleine Fl\u00fcchtigkeits- oder Druckfehler (so spricht er f\u00fcr 1926 von der IG Metall oder der englische Generalstreik findet in einer \u00dcberschrift 1925 statt) \u00e4ndern aber keineswegs etwas am Gesamtcharakter des Werks, an den zentralen Aussagen, an der Charakterisierung von Fimmen und an der lebendigen Darstellung seiner Person. Das wichtige an dieser Biographie ist auch nicht ein fehlender \u201eumfassender Anspruch\u201c, den Buschak unter seinen Bedingungen nicht einl\u00f6sen konnte &#8211; eine solche Biographie kommt vielleicht auch nie zustande -, sondern die Herausarbeitung der wesentlichen Aktivit\u00e4ten eines zentralen Gewerkschaftsf\u00fchrers unter dem Zeichen des Internationalismus. Genau dieses internationale Wirken in einem kapitalismuskritischen Sinne macht auch aus, wof\u00fcr er heute noch eine Bedeutung hat \u2013 wie auch Peter Friedemann im Vorwort unterstreicht. Und hierzu hat ihn Buschak in den wesentlichen Z\u00fcgen portr\u00e4tiert. Gerade angesichts dieser internationalen Bedeutung w\u00e4re es zu w\u00fcnschen, dass diese Arbeit, vielleicht erg\u00e4nzt um neues Material, das der Autor, wie man h\u00f6rt, in der Zwischenzeit gefunden hat, bald wenigstens in Englische \u00fcbersetzt wird, um den breiten Leserkreis zu finden, der f\u00fcr dieses Thema anzusprechen ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr style=\"height: 1px;background-color: black\" \/>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[1]<\/a> So in dem von Bob Rainalda herausgegebenen Sammelband, The International Transportworkers Federation 1914 \u2013 1945. The Edo Fimmen Years, Amsterdam 1997, darin auch eine biographische Skizze Fimmens von Sigrid Koch-Baumgarten (die inzwischen auch auf deutsch in der IWK, Nr. 1, 2000, vorliegt). Von ihr stammt auch eine Darstellung der ITF, die zwar schwerpunktm\u00e4\u00dfig deren Entwicklung nach 1945 behandelt, aber auch die \u201e\u00c4ra Fimmen\u201c nicht unber\u00fccksichtigt l\u00e4sst (Gewerkschaftsinternationalismus und die Herausforderung der Globalisierung. Das Beispiel der Internationalen Transportarbeiterf\u00f6deration [ITF], Frankfurt 1999). Schlie\u00dflich sei noch auf die kurz vor Buschaks Arbeit erschienene Darstellung von Dieter Nelles (Widerstand und internationale Solidarit\u00e4t. Die Internationale Transportarbeiter-F\u00f6deration [ITF] im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Essen 2001) verwiesen, in der nat\u00fcrlich Fimmen eine zentrale Rolle einnimmt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[2]<\/a> Dies schloss auch die Hinnahme von Spaltungen ein. Siehe seinen Brief an den franz\u00f6sischen Gewerkschaftsf\u00fchrer Jouhaux, in dem er diesen im Sommer 1921 zur Trennung von der revolution\u00e4ren Str\u00f6mung ermunterte, abgedruckt in: Bernard Georges \u2013 Denise Tintant, L\u00e9on Jouhaux. Cinquante ans de Syndicalisme, Bd. 1, Des origines \u00e0 1921, Paris 1962,\u00a0 S. 524 \u2013 526.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[3]<\/a> Dt. Edo Fimmen, Vereinigte Staaten Europas oder Europa AG. Ein internationaler Ausblick, Jena 1924. Der englische Text findet sich im Internet: <a href=\"http:\/\/www.global-labour.org\/edo_fimmen_internationalist_pioneer.htm\">http:\/\/www.global-labour.org\/edo_fimmen_internationalist_pioneer.htm<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[4]<\/a> Zur Ausweisung Trotzkis aus der UdSSR schrieb er Anfang M\u00e4rz 1929: \u201eWe are not taking sides in this conflict [&#8230;]. But we affirm that the exile of Trotsky from the Soviet Union brings to a definite end an era that gave a homeland to any human being who was crushed and exploited by capitalism [\u2026].\u201c Zit. bei J. W. Stutje, \u201eThe Soviet Union As Seen By the Dutch Labor Movement, 1917 \u2013 1935. A Global Impression\u201d, in: L\u2019URSS il mito le masse, Mailand 1991, S. 282 \u2013 303, hier S. 300.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[5]<\/a> So auf einer Sitzung des Generalrats der ITF im Juni 1923, einen Monat nach einer gemeinsamen Konferenz mit der russischen Transportarbeitergewerkschaft in Berlin. Nun wurden von den Gegnern jeglicher Kontakte mit den Russen verschiedene Erkl\u00e4rungen (d. h. Personen) gesucht, die ihn dazu \u201einspiriert\u201c haben k\u00f6nnten. (Die Mitschrift seiner Rede befindet sich nicht im ITF-Archiv, sondern im Archiv der Roten Gewerkschaftsinternationale in Moskau [534\/5\/178\/57-73]. Er hatte sie offensichtlich weitergegeben, um seine Haltung in Moskau deutlich zu machen.)<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[6]<\/a> Die H\u00e4lfte seiner Arbeitszeit, wenn nicht mehr, verbrachte er hierbei. So Buschak, S. 284<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[7]<\/a> Z. B. Fimmen Aktivit\u00e4ten zuerst auf dem linken Fl\u00fcgel der niederl\u00e4ndischen Sozialdemokratie und dann bei der Linksabspaltung 1932 in seinem Buch: Das Londoner B\u00fcro, Europ\u00e4ische Linkssozialisten in der Zwischenkriegszeit, Amsterdam 1985. Die Unterst\u00fctzung Fimmens und der ITF f\u00fcr den Widerstand in Deutschland nimmt einen zentralen Platz in \u201eArbeit im kleinsten Zirkel\u201c. Gewerkschaften im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Hamburg 1993, ein. Darauf beruhen auch im wesentlichen die entsprechenden Abschnitte in der Fimmen-Biographie, da die Arbeit von Nelles daf\u00fcr zu sp\u00e4t erschien.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[8]<\/a> Informationen dazu aus dem Archiv der Roten Gewerkschafts-Internationale finden sich in meiner demn\u00e4chst erscheinenden Geschichte dieser Organisation; Hinweise zu Kontakten mit der Komintern sowie der niederl\u00e4ndischen KP bei Gerrit Voerman, De meridiaan van Moskou : de CPN en de Communistische Internationale, 1919 \u2013 1930, Amsterdam 2001. Wie tief z. B. manche Kontakte gingen, zeigt der Brief, den Fimmen an den Komintern-Vorsitzenden Sinowjew Mitte Oktober 1923 \u2013 im Rahmen der kommunistischen Aufstandsvorbereitungen in Deutschland \u2013 schrieb, wo er dringend davon abriet und ein den Moskauer Erwartungen kontr\u00e4res Bild vom Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zeichnete. Auch dieser Brief befindet sich nicht im ITF-Archiv und wurde erst nach \u00d6ffnung der Moskauer Archive von dem russischen Historiker Babi\u010denko publiziert (\u201eKrasnaja Armija pridet v Germaniju s zaposdaniem\u201c, in: Isto\u010dnik, Nr. 2, 1995, S. 26 \u2013 32).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[9]<\/a> Siehe Fu\u00dfnote 6.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[10]<\/a> Dieser Brief an seinen Schwiegervater Adolf Geck befindet sich in dessen Nachlass im Generallandesarchiv Karlsruhe. Bei Hans-Holger Paul (Hg.), Inventar zu den Nachl\u00e4ssen der deutschen Arbeiterbewegung, M\u00fcnchen 1993, S. 683, wird Weckerle als zeitweiliger Sekret\u00e4r Fimmens bezeichnet.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[11]<\/a> Dies lassen jedenfalls entsprechende Hinweise in der schon erw\u00e4hnten Studie von\u00a0 Voerman \u00fcber die KPN oder in der Darstellung des niederl\u00e4ndischen Linkssozialismus von Menno Eekman und Herman Pieterson, Linkssocialisme tussen de wereldoorlogen. Twee studies, Amsterdam 1987, erkennen. Doch von viel zentraler Bedeutung w\u00e4ren nat\u00fcrlich Forschungen zur niederl\u00e4ndischen Sozialdemokratie.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[12]<\/a> Zu diesem siehe Reiner Tosstorff, \u201eEin zu Unrecht fast vergessener Gewerkschaftsf\u00fchrer. Robert Di\u00dfmann (8.8.1878-30.10.1926)\u201c, in: Sozialismus, Nr. 11, 2003, S. 49 \u2013 52. Vgl. auch den Abschnitt \u201eThe Non-Communist Radical Faction\u201c in Gerard Braunthal, Socialist Labor and Politics in Weimar Germany. The General Federation of German Trade Unions, Hamden 1978, S. 104 \u2013 106; Detlev Brunner, B\u00fcrokratie und Politik des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes 1918\/19 bis 1933, K\u00f6ln 1992, S. 247f.<\/p>\n<p>Di\u00dfmann war der Organisator der Vortragsreise Fimmens in Deutschland im Februar 1923, auf der er seine scharfe Kritik an der Passivit\u00e4t der internationalen Gewerkschaftsbewegung angesichts der Ruhr-Besetzung \u00f6ffentlich machte (die ihn dann wenige Zeit sp\u00e4ter zu den ersten Kontakten mit \u201aMoskau\u2019 f\u00fchrte).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Willy Buschak, Edo Fimmen. Der sch\u00f6ne Traum von Europa und die Globalisierung. Eine Biographie. Mit einem Vorwort von Peter Friedemann, Essen 2002, 333 S. Edo Fimmen war der bedeutendste internationale Gewerkschaftsf\u00fchrer der Zwischenkriegszeit. Denn er verband vergleichsweise erfolgreich das \u201eAlltagsgesch\u00e4ft\u201c, den Aufbau der Organisation in Verbindung mit der Verbesserung der Lage der von ihr Organisierten, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[23],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1882"}],"collection":[{"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1882"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1882\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1886,"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1882\/revisions\/1886"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1882"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1882"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/global-labour.info\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1882"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}